RD a.D. Hugo Gebhard


Wald-Wasserschacht-Fall, Urteil des LG Gera vom 12. 12. 05,

Az. 4 O 2007/04


Veröffentlicht in juris

 

Sachverhalt:

Der Kläger stürzte auf dem nächtlichen Nachhauseweg durch einen Wald in einen Wasserschacht, der ca. 1,80 bis 2 m vom Waldweg entfernt war. Bis 1 Uhr morgens hatte der Kläger eine Ausflugsgaststätte besucht. Der Wasserschacht war gebaut worden, weil der Waldweg an der Unfallstelle in einer Geländesenke verläuft. Um eine Unterspülung des Weges zu verhindern, wurde ein Durchlass mit Schacht errichtet und entsprechend eingefasst. Der Schacht war für einen aufmerksamen Waldwegbenutzter bei Tag erkennbar.

 

Der Schmerzensgeldanspruch wurde im Wesentlichen mit folgenden Gründen abgewiesen:

 

Der Wasserschacht habe keine atypische Gefahr dargestellt, denn atypisch seien nur alle nicht durch die Natur oder durch die Art der Bewirtschaftung mehr oder minder zwangsläufig vorgegebenen Zustände, insbesondere die vom Waldbesitzer selbst geschaffenen Gefahrenquellen.

Der Wasserschacht sei nicht atypisch, weil das Bauwerk der natürlichen Geländeform (Geländesenke) geschuldet gewesen sei. Um eine Unterspülung des Weges zu verhindern, sei ein Durchlass errichtet worden. Hierbei handle es sich um eine Geländegegebenheit, die für den vom Kläger benutzten Waldweg typisch sei und mit der Waldwegebenutzer rechnen müssten.

Da der Schacht 1,8 bis 2 m vom Waldweg entfernt gewesen sei, sei auch keine über das „normale“ Maß hinausgehende Gefahr vorhanden gewesen.

Der Kläger hätte bei Nacht eine Lichtquelle (z. B. eine Taschenlampe) benutzen oder seine Schritte so vorsichtig setzen müssen, dass er selbst bei in der Dunkelheit nicht erkennbaren Unebenheiten nicht das Gleichgewicht verliert. Bei entsprechender Beleuchtung wäre der Schacht zu erkennen gewesen.