RD a.D. Hugo Gebhard


Waldrand-Straßen-Fall, Urteil des LG Bonn vom 14. 03. 14,

Az. 1 O 172/13

 

Veröffentlicht in juris

Nach Auffassung des Gerichts stellt sich der Sachverhalt wie folgt dar:

Am 5. 8. 2012 stürzte eine Erle aus einem Waldrand heraus auf eine öffentlich-gewidmete Verkehrsstraße. Trotz sofortiger Bremsung konnte der Kläger mit seinem Pkw einen Aufprall mit der Erle nicht mehr verhindern. Auf der Erle lag, als sie noch im Waldrand stand, schon seit längerer Zeit ein starker Ast einer in der 2. der 3. Baumreihe stehenden Buche und übte so starken Druck auf die Erle aus, dass diese schließlich abbrach und auf die Straße stürzte. Die vor dem Unfall stattgefundenen Niederschläge  hatten durch das nasse Laubwerk der Buche so starken Druck auf die Erle ausgeübt, dass diese schließlich brach. Die auf die Erle drückende Buche hatte sich schon vor dem Baumunfall mit ihrem Stamm in einem Winkel von 30 bis 40 Grad in Richtung Straße geneigt. Ob dem Förster der beklagten Stadt, der den fraglichen Waldbereich am 22. 5. 2012 kontrolliert hat, die fragliche Buche aufgefallen ist, konnte nicht geklärt werden, da er bei seiner Kontrolle in dem Unfallbereich lediglich einige schräg gewachsene Bäume vermerkt hatte, die bei Gelegenheit entfernt werden sollten. Der Sachverständige hat festgestellt, dass das Wurzelwerk der Buche bereits längere Zeit, zumindest seit dem Mai 2011,  schräg gestanden hat.

Das Gericht gab der Zahlungsklage des Klägers dem Grunde nach statt. Die wesentlichen Gründe für die Stattgabe der Klage dem Grunde nach können wie folgt zusammengefasst werden:

Ø  Der Förster habe bei der letzten Baumkontrolle am 22. 5. 2012 schuldhaft gehandelt, weil er dabei nicht erkannt habe, dass die Buche schräg gestanden und mit einem starken Ast auf der Erle in der ersten Baumreihe aufgelegen habe, was eine erkennbare Gefahrenlage dargestellt habe.

Ø  Zwar habe das OLG Hamm, BeckRS 2012, 25480 (hierbei  handelt es sich um das Urteil des OLG Hamm vom  6. 4. 2001, Az. 9 U 193/00), in einem Urteil ausgeführt, dass man bei einem ganz dichten Bestand der Waldbäume in der ersten Baumreihe an einer Straße nur die Bäume der ersten Baumreihe prüfen müsse, weil davon ausgegangen werden könne, dass ein Baum der 2. und 3. Baumreihe nicht durch die erste Baumreihe hindurchfalle, sondern im Kronenbereich der Bäume der ersten Baumreihe hängen bleibe.

Ø  Dies gelte aber nicht, wenn erkannt würde oder erkannt werden könne, dass ein Baum der 2. oder 3. Baumreihe schon auf einen Baum der ersten Baumreihe gefallen sei und auf ihn durch seine Last Druck ausübe, weil damit gerechnet werden  müsse, dass der Druck des aufliegenden Baumes wegen seiner Schräglage so stark werde, dass es dann irgendwann einmal, wie im vorliegenden Fall,  zum Umsturz bzw. Abbruch eines Baumes in der ersten Baumreihe komme und der belastete Baum in der ersten Baumreihe bzw. Baumteile von ihm auf die Straße fielen und dort Verkehrsteilnehmer gefährdeten oder gar verletzten.

Anmerkung:

Dem Urteil ist uneingeschränkt zuzustimmen. Zu dem vom LG Bonn zitierten Urteil des OLG Hamm vom 6. 4. 2001, Az. 9 U 193/00,  weise ich darauf hin, dass ich hierzu bereits schon vor längerer Zeit eine Urteilsanmerkung in die hiesige Urteilsdatenbank eingestellt habe.

23. 07. 15