RD a.D. Hugo Gebhard


Nachbarbaum-Fall, Urteil des AG Hamburg vom 5. 10. 07,

Az. 7 c C 102/05

 

Veröffentlicht in juris

Sachverhalt: Ein Ast einer Eberesche brach ab und fiel auf dem Nachbargrundstück auf einen von der Klägerin gemieteten Lagerraum, in dem sie Waren ihres Fahrradgroßhandels lagerte. Die Klägerin behauptete, da der Ast das Dach des Lagerraum beschädigte habe und deshalb sodann Wasser in den Lagerraum eingedrungen sei, seien diverse Fahrradzubehöre verrostet. Sie habe den Schaden erst Mitte Januar 2004 bemerkt, obwohl der Ast das Dach bereits am 21. Dezember 2003 beschädigt habe. Der vom Gericht bestellte Baumsachverständige hat festgestellt, dass die Eberesche an der Bruchstelle zumindest zur Hälfte mit einer Weißfäule befallen war, was aber äußerlich nicht erkennbar gewesen sei. Ob die Weißfäule letztlich die Ursache für den Abbruch war, konnte er nicht mit letzter Sicherheit sagen.

In dem Grundurteil des AG Hamburg wurde der Schadensersatzklage der Klägerin in Höhe von 3.930,430 € dem Grunde nach stattgegeben.

Die wesentlichen Urteilsgründe lassen sich wie folgt zusammenfassen:

Ein Schadensersatzanspruch aus § 823 Abs. 1 BGB scheide aus, weil die Klägerin nicht habe beweisen können, dass die Weißhäule vom Beklagten habe erkannt werden können.

Der Klägerin stehe aber gegen den beklagten Baumbesitzer ein nachbarrechtlicher Ausgleichsanspruch in entsprechender Anwendung des § 906 Abs. 2 Satz 2 BGB zu. Die Klägerin habe nämlich vor dem Abbruch einen Gefahrenbeseitigungsanspruch gegen den Beklagten gehabt, weil sie sich wegen der drohenden Verletzung an ihrem Eigentum (Fahrradzubehör) auf den Schutz von § 1004 BGB i.V.m. § 862 BGB habe berufen können. Mangels Kenntnis von der Gefahr sei die Klägerin aber aus faktischen Gründen daran gehindert gewesen, den Abwehranspruch vor dem Schadensfall geltend zu machen.

Obwohl der Sachverständige die Kausalität der Weißfäule für den Baumbruch nicht mit letzter Gewissheit habe bejahen können, gehe das Gericht im Rahmen des § 286 ZPO von der Kausalität der Weißfäule für den Schaden aus, weil das H/D-Verhältnis bei der Eberesche weit unter 50 gelegen habe und an dem Schadenstag keine extremen Windverhältnisse geherrscht hätten. Es spreche deshalb alles für die Kausalität der vom Sachverständigen festgestellten Weißfäule. Deshalb bestehe der Anspruch aus der entsprechenden Anwendung des § 906 Abs. 2 Satz 2 BGB und scheide ein Fall höherer Gewalt aus.

25.04.16